Hoffen auf Regierungswechsel

Abschaltung von Neckarwestheim und Biblis verzögert sich

Die AKW Neckarwestheim 1 und Biblis A werden offenbar nicht wie vorgesehen kurz vor der Bundestagswahl 2009 vom Netz genommen. Wie EnBW und RWE der "Welt am Sonntag" gleichlautend bestätigten, verzögere sich die Stilllegung beider Atomkraftwerke wegen ausgedehnter Wartungsarbeiten "bis mindestens Frühjahr 2010".

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Der von der EnBW betriebene Atomreaktor Neckarwestheim 1 in Baden-Württemberg verfügte zu Jahresbeginn 2008 noch über eine genehmigte Produktionsmenge von rund 10.200 Gigawattstunden. Nach bisherigen Berechnungen des Bundesumweltministeriums hätte Neckarwestheim 1 diese Produktionsmenge etwa Mitte August 2009, also rund sieben Wochen vor der für den 27. September 2009 geplanten Bundestagswahl abgearbeitet, berichtete die Zeitung. Gemäß der Vereinbarung zum Atomausstieg würde das Atomkraftwerk damit zeitgleich seine Betriebsgenehmigung verlieren.

Der Betreiber EnBW hatte allerdings den Reaktor am vergangenen Wochenende für eine größere Revision vom Netz genommen. Wie ein EnBW-Sprecher der "Welt am Sonntag" bestätigte, könne diese Revision "einige Wochen dauern". EnBW rechne daher damit, dass die genehmigte Reststrommenge danach noch einen Weiterbetrieb "bis mindestens Frühjahr 2010" ermöglichen werde. Ähnlich verhält es sich mit dem von der RWE betriebenen Atomkraftwerk Biblis A in Hessen.

Nach Ansicht der Grünen-Fraktion im Bundestag zögern die AKW-Betreiber die Stilllegung der Anlagen mit den Wartungsarbeiten künstlich hinaus, weil sie auf einen Richtungswechsel der nächsten Bundesregierung in der Atompolitik spekulieren. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sprach gegenüber der "Welt am Sonntag" in diesem Zusammenhang von "miesen Tricks der Atomlobby".

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