Kennzeichnung

Ab heute: Versorger informieren über Stromherkunft

Die etwa 900 deutschen Stromunternehmen informieren die Verbraucher ab heute auf den Rechnungen über die Zusammensetzung des gelieferten Stroms. Die neue Stromkennzeichnung soll den Energiemix des einzelnen Stromlieferanten veranschaulichen und ihn mit bundesweiten Werten vergleichbar machen.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Die Versorger kommen damit Vorgaben des Energiewirtschaftsgesetzes nach, das eine EU-Richtlinie umsetzt. Die Kennzeichnung soll mehr Transparenz schaffen. So wird die Zusammensetzung des Stroms künftig auf Rechnungen und in Werbeprospekten prozentual nach Kernenergie, erneuerbaren Energien und fossilen Brennstoffen ausgewiesen. Zudem wird über die bei der Produktion anfallenden Mengen Kohlendioxid und den radioaktiven Abfall informiert.

Bereits gestern äußerte das Freiburger Öko-Institut Kritik am neuen Sytem. Falls die Versorger dem so genannten Leitfaden zur Stromkennzeichnung des VDEW folgen, würden die Anteile der verschiedenen Energieträger systematisch falsch berechnet, bemängeln die Freiburger. Die energiepolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Gudrun Kopp forderte die Energieversorger hingegen auf, die im EnWG vorgesehenen Kennzeichnungspflichten im Geiste des Gesetzes auszulegen. "Ziel ist es, den Verbraucher über den Energieerzeugungsmix seines Versorgers zu unterrichten, ohne den Unternehmen zu große bürokratische Lasten aufzubürden."

Bärbel Höhn (Grüne), Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, bezeichnete die Stromkennzeichnung als "Mindestmaß an Transparenz". Sie habe allerdings noch einige Tücken und Unklarheiten: "Eine exaktere Aufgliederung des Strommixes wäre notwendig, um einer missbräuchlichen Umdeklarierung von Strom aus fossilen Brennstoffen beziehungsweise aus Atomstrom zu regenerativem Strom zu verhindern. Zudem sollte eine nachvollziehbare Information über die Zusammensetzung des Strompreises Teil der Verbraucherinformation sein."

Das Umweltbundesamt (UBA) begrüßt die Stromkennzeichnung, warnt aber davor, an das neue Instrument direkt nach der Einführung zu hohe Erwartungen zu stellen. "Die Stromkennzeichnung bringt mehr Information und damit mehr Wahlfreiheit für die Stromkunden. Es wäre falsch, das neue Instrument schon jetzt abschließend zu beurteilen, weil es offene Fragen in der Umsetzung gibt. Die Stromkennzeichnung braucht eine faire Chance, sich zu bewähren", sagte Prof. Dr. Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes. Er betonte aber auch, dass die Praxis der Stromlieferanten sorgfältig zu beobachten sei und offene Fragen geklärt werden müssten. Eine eindeutige Information der Stromkunden sei sicher zu stellen.

Wer schon immer wissen wollte, wie viel radioaktiver Abfall und Kohlenstoffdioxid bei der Produktion seines Stroms anfällt, ist laut Stiftung Warentest nun gut beraten, die Stromrechnung genau zu studieren. Dort fänden sich dann beispielsweise die Kohlendioxid-Emissionen und radioaktiven Abfälle je Kilowattstunde. Ein durchschnittlicher Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3000 Kilowattstunden ist laut Stiftung Warentest zum Beispiel für den Ausstoß von 1,5 Tonnen des Klimagases Kohlenstoffdioxid und den Verbleib von 8,1 Gramm radioaktiven Abfalls verantwortlich.

Bei der regionale Energievertriebsgesellschaft Entega, einem Tochterunternehmen der HEAG Südhessischen Energie AG (HSE) und der Stadtwerke Mainz AG, liegt der Anteil an erneuerbaren Energien beipsielsweise bei 14 Prozent, der Anteil des Stroms aus Kernkraft bei 22 Prozent und der Anteil fossiler Energieträger wie Steinkohle, Braunkohle und Erdgas bei 64 Prozent. Pro Kilowattstunde Strom werden somit 305 Gramm Kohlendioxid freigesetzt (Deutschlandweiter Durchschnitt: 550 Gramm pro Kilowattstunde).

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