Internationale Energiemärkte

A.T. Kearny: Investitionschancen in Osteuropa besser nutzen

Wenn Investoren stärker auf die kulturelle Übereinstimmung der akquirierten Unternehmen mit dem eigenen achten würden, könnte das Potenzial der sich derzeit öffnenden osteuropäischen Energiemärkte besser genutzt werden.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Europäische Energieunternehmen könnten das Potential der sich öffnenden osteuropäischen Energiemärkte besser nutzen, wenn sie bei Investitionen stärker auf die kulturelle Übereinstimmung der akquirierten Unternehmen mit dem eigenen achten würden. Das hat jetzt die Unternehmensberatung A.T. Kearny herausgefunden.

"Wir beobachten häufig, dass Investoren ihre Idealpartner gar nicht erreichen oder sich die Partnerwahl durch eine falsche Einschätzung der Lage vor Ort und die nicht konsequente Hebung von Synergien nachträglich als falsch erweist", erläuterte Tibor Héjj, Mitglied der Geschäftsleitung der Unternehmensberatung A.T. Kearney, auf einer Konferenz zum Thema Energiemarkt Osteuropa in Berlin. Große Unternehmen wie RWE, E.ON und EdF würden zudem oft auf Übernahmeängste stoßen. "Sie müssen potentiellen Partnern aufzeigen, dass sie ein breit gefächertes Dienstleistungsportfolio mitbringen und die Partner in der Zusammenarbeit vom Technologietransfer profitieren können." Ein weiterer Erfolgsfaktor sei der gemeinsame Auftritt der Gesellschaften. Auch durch die explizite Definition der eigenen Position als Gast im Land und Investitionsprogramme könnten potentielle Partner überzeugt werden. Kleinere Investoren haben nach den Erfahrungen von Héjj in den ersten Gesprächen meist eine höhere Akzeptanz. Sie benötigen jedoch ein Netzwerk aus technischen Dienstleistern oder Anlagenbauern, um den Herausforderungen des Marktes gewachsen zu sein. "Mit dem richtigen Partner ist eine beträchtliche Wertschöpfung möglich, wie Beispiele in Südamerika gezeigt haben", meint Héjj.

Berthold Hannes, Leiter der Beratergruppe Energiewirtschaft in Zentraleuropa bei A.T. Kearney, hält Investitionen in den osteuropäischen Energiemarkt für sehr attraktiv: Im Strombereich ergäben sich interessante Perspektiven, da die Kyoto-Ziele durch Erneuerungsinvestitionen leicht zu erfüllen seien. Im Gasbereich würden die Anforderungen aus dem Kyoto-Protokoll und die zunehmende Energieimportabhängigkeit der EU zu einer signifikanten Steigerung des Gasverbrauchs führen. Den EU-Beitrittskandidaten komme als Durchleitungsländern für Gas eine Schlüsselrolle bei der Sicherstellung der Gasversorgung Europas zu. Der osteuropäische Gasmarkt werde daher von Investoren derzeit fast ausschließlich als Durchleitungsmarkt und im Kontext mit der Optimierung der Gasbeschaffung wahrgenommen. Dennoch mahnt Hannes potentielle Investoren zur Vorsicht, solange die Marktprämissen in einem Land nicht geklärt seien. Dagegen zeichne sich der regulatorische Rahmen für den Strommarkt schon deutlicher ab und sei in den meisten Regionen um mindestens fünf Jahre weiter fortgeschritten als derjenige für den Gasmarkt.

Insgesamt raten die Energieexperten von A.T. Kearney Investoren auf den osteuropäischen Energiemärkten zu einer zweistufigen Strategie: In einem ersten Schritt sollten sie selektiv Chancen aus den Privatisierungsaktivitäten in verschiedenen Geschäftsfeldern und auf unterschiedlichen Wertschöpfungsstufen nutzen. "Das gibt ihnen Gelegenheit, das Marktmodell des Landes aktiv mitzugestalten und frühzeitig marktrelevante Geschäftsmodelle aufzubauen", so Hannes. Nach der Stabilisierung des regionalen Marktmodells könne dann in einem zweiten Schritt das Geschäftsmodell weiterentwickelt werden. Die Unterschiede in der zeitlichen Umsetzung der Deregulierung sowie die geografische Nähe der Märkte bieten nach Ansicht von Hannes gute Voraussetzungen für diese schrittweise regionale Ausweitung der Aktivitäten und die Marktpenetration in Osteuropa. Ziel müsse die Expansion in weitere Geschäftsfelder und benachbarte Regionen sowie die Steigerung des Werts der Gesamtinvestition sein. "Die konsequente Weiterentwicklung der Investitionen bindet Managementkapazität und sollte daher - wo möglich - regional gebündelt werden", empfiehlt Hannes.

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