Standpunkt

A.T. Kearney: Regulator ist ein Irrweg

Nach Meinung des Beratungsunternehmens A.T. Kearny bedeutet eine nationale Regulierungsbehörde Verlust an Flexibilität und Effizienz. Die Berater haben in einer Studie festgestellt, dass für Deutschland eine Art Verhaltenskodex sinnvoll wäre, der regelmäßig überprüft würde. Europa hingegen brauche einen zentralen Regulator.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

"Die Einsetzung eines Regulators für den deutschen Gasmarkt wäre ein Irrweg." Diese Meinung vertritt Klaus-Dieter Maier, Leiter der weltweiten Beratergruppe für die Energiewirtschaft bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Er widerspricht damit der Auffassung von Bundeswirtschaftsminister Müller, der nach dem vorläufigen Scheitern der jüngsten Gespräche über die Öffnung des deutschen Gasmarkts nun einen Gesetzentwurf für die Einrichtung einer Regulierungsbehörde vorlegen will.

Nach Auffassung Maiers hat das deutsche Modell der Liberalisierung insgesamt und im internationalen Vergleich zu sehr guten Ergebnissen geführt. "Ein Regulator würde hier als Bremse statt als Pacemaker wirken und einen Verlust an Flexibilität und Effizienz bei der weiteren Marktentwicklung bedeuten." Die Beispiele England und Wales hätten gezeigt, dass eine Regulierungsbehörde die sinnvolle volkswirtschaftliche Marktkonsolidierung und -restrukturierung auch verhindern könne. In Kalifornien habe eine massive Fehlregulierung den Strommarkt zerrüttet und für den gesamten Bundesstaat die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit bedroht.

Den an den Verhandlungen zur Liberalisierung des Gasmarkts beteiligten Verbänden empfiehlt Maier daher dringend, zu einem Konsens über das Preissystem für die Netznutzung zu kommen. Langfristig hält Maier ein "Point-of-connection"-System wie im Strombereich für tragfähig. Dabei wird die Netznutzung nicht entfernungsabhängig und genau vom Einspeise- zum Abnahmeort berechnet, sondern bestimmte Übergabepunkte definiert. A.T. Kearney hat in einer Studie verschiedene Regulierungsmethoden untersucht. Danach wäre für den deutschen Markt ein Verhaltenskodex (Code of Conduct), dessen Einhaltung regelmäßig durch einen externen Gutachter geprüft wird, das beste Instrument für die Weiterentwicklung des Strom- und Gasmarkts. Der europäische Energiemarkt dagegen brauche einen zentralen Regulator. Angesichts unterschiedlicher Marktöffnungsgrade und –geschwindigkeiten bestehe massiver Handlungsbedarf. "Das Optimum aus Deregulierung und Reregulierung ist weder in Europa noch in Deutschland erreicht", meint Maier. In Europa könne nur eine Regulierungsbehörde den Marathon-Hürdenlauf Wettbewerb zur ebenen Sprintstrecke machen, in Deutschland ginge es darum, die unübersichtlichen Kurven in der Sprintstrecke zu begradigen, führt Maier aus.

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