70 Prozent der Energie verpufft

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com
Die meisten älteren Wohnungsbauten in der Bundesrepublik sind wahre Verschwender von Heizenergie. Durch schlecht gedämmte Fassaden, Fenster und Dächer ist der Heizwärmeverbrauch dreimal höher als nötig, wie Greenpeace auf einer Pressekonferenz in Köln erklärte. "Die Wärmedämmung vieler deutscher Wohnhäuser ist löchrig wie ein Schweizer Käse. Mit einer umfangreichen Sanierung könnte der Heizenergie-Verbrauch der Haushalte um bis zu 70 Prozent reduziert werden", sagt Jan Rispens, Klimaexperte von Greenpeace. Die Raumheizung verursacht pro Jahr 180 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid, 20 Prozent der deutschen CO2-Emissionen.


Bisher scheuen viele Wohnungseigentümer wegen der hohen Kosten vor einer Sanierung ihrer Gebäude zurück. Eine umfangreiche Wärmedämmung könnte jedoch sowohl für den Wohnungsinhaber als auch für den Mieter lohnend sein, wie eine im Auftrag von Greenpeace durchgeführte Untersuchung des Darmstädter Institutes Wohnen und Umwelt (IWU) belegt. Dazu müsste der Staat etwa 30 Prozent der energiebedingten Mehrkosten übernehmen. Außerdem müsste er sicherstellen, dass Energiesparmaßnahmen für den Vermieter wirtschaftlich sind und auf den Mieter keine zusätzlichen Belastungen zukommen (Warmmietenneutralität). Der vorgestellte Ansatz des IWU geht davon aus, dass der Energieverbrauch eines Gebäudes als Kriterium im Mietspiegel aufgenommen wird. Führt ein Vermieter Energiesparmaßnahmen durch, kann er eine höhere Kaltmiete verlangen. Dem Mieter kommt die Heizkosteneinsparung zugute.


Jan Rispens: "Der Vorschlag des IWU lohnt sich für alle Beteiligten. Weder Mieter noch Vermieter zahlen bei einer energetischen Sanierung drauf, und die Bundesregierung schafft Arbeitsplätze und kommt ihrem Klimaschutzziel ein großes Stück näher." Greenpeace fordert daher Bundeskanzler Schröder auf, in seinem für diesen Sommer angekündigten Klimaschutzplan ein umfassendes Wärmeschutzprogramm für ältere Wohnungsbauten zu verankern. Nach Berechnungen des Wuppertal-Institutes könnten mit einer umfangreichen Wärmedämmung bis zu 400.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Durch sinkende Sozialausgaben und eine geringfügige Umschichtung der Fördergelder vom Neu- in den Altbaubereich hätte der Staat keine zusätzliche finanzielle Belastung zu befürchten.

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