Treck von Wendland nach Berlin

50.000 Menschen demonstrieren für Atomausstieg

Rund 50.000 Menschen aus ganz Deutschland haben am Samstag in Berlin für einen konsequenten Atomausstieg demonstriert. Begleitet von einem Treck aus 350 Traktoren zogen die Teilnehmer vom Hauptbahnhof durch das Regierungsviertel zum Brandenburger Tor, wo eine Kundgebung stattfand. Umweltminister Gabriel unterstützte das Anliegen der Demonstranten.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (afp/ddp/red) - Die Protestaktion stand unter dem Motto "Mal richtig abschalten - Atomkraft nein Danke". Die Großdemonstration verlief nach Angaben der Berliner Polizei friedlich. In einer Erklärung der Organisatoren hieß es: "Von dieser Demonstration geht ein klares Signal aus." Nach Asse, Krümmel und "dem Gerede von Laufzeitverlängerungen" seien es die Menschen leid, weiter auf den Ausstieg zu warten.

Auf der Abschlusskundgebung war unter anderem IG-Metall-Chef Berthold Huber vertreten, der per Videoschaltung von einem Aktionstag der Gewerkschaft in Frankfurt am Main zugeschaltet wurde. Auch der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Hubert Weiger, forderte einen wirklichen Atomausstieg. Mit Blick auf die Bundestagswahl sagte er, es solle keine Stimme für Kandidaten geben, die sich für den Weiterbetrieb von Atomkraftwerken einsetzen.

Klare Botschaft für Merkel und Union

"Die Botschaft der Zehntausenden an die Bundeskanzlerin und an die Union ist eindeutig", erklärte Gabriel in Berlin. "Hört endlich auf, den verlängerten Arm der Atomindustrie zu spielen." Es dürfe "keine weiteren Milliardengeschenke an die Atomkonzerne durch Laufzeitverlängerung" geben. Das Problem der Endlagerung des Atommülls kann nicht gegen die Bevölkerung und nicht mit noch mehr Atomkraft gelöst werden. Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien."

Auch der neue Chef des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, äußerte Sympathie für das Anliegen der Demonstranten. Das Festhalten am Ausstieg sei essenziell für eine zukunftsfähige Energieversorgung, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD), erklärte in Berlin, die Atomenergie sei "eine Dinosauriertechnologie, die unverantwortbar ist". Auch Grüne und Linke hatten die Demonstration unterstützt.

Der Vizepräsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie und Präsident des Bundesverbandes Windenergie, Hermann Albers, forderte "Vorfahrt für erneuerbare Energien". Längere Laufzeiten für Kernkraftwerke blockierten deren Ausbau. Greenpeace-Atomexperte Matthias Edler betonte, dass ein Wiedereinstieg in die Atomenergie nach der Bundestagswahl "nur gegen den Willen der Bevölkerung" beschlossen werden könne.

Weitere Proteste gegen Atomkraft

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte die künftige Bundesregierung auf, die Atomkraftgegner ernst zu nehmen. Die Großdemonstration zeige, "dass ein Wiedereinstieg in die Atomenergie nach der Bundestagswahl nur gegen den Willen der Bevölkerung beschlossen werden kann", erklärte Greenpeace-Atomexperte Mathias Edler.

Die Atomkraftgegner kündigten weitere Proteste an. "Wir haben den Parteien gezeigt, womit zu rechnen ist, wenn der lang angekündigte Atomausstieg nicht umgehend umgesetzt wird", erklärte der Sprecher der bundesweiten Anti-Atom-Organisation "..ausgestrahlt", Jochen Stay. Die Anti-Atom-Bewegung werde während der Koalitionsverhandlungen eine "ständige Vertretung" in Berlin einrichten und bei jeder Verhandlungsrunde vor Ort demonstrieren.

Getragen wurde die Aktion von rund 100 Organisationen. Die Demonstration bildete zugleich den Abschluss eines einwöchigen Traktor-Trecks, zu der die bäuerliche Notgemeinschaft aus dem Wendland aufgerufen hatte. Der Treck mit den 350 Traktoren war aus dem niedersächsischen Wendland angereist, wo sich das Endlager Gorleben befindet.

Quelle: AFP

Das könnte Sie auch interessieren
  • Politik

    Bund und Länder einigen sich auf neuen Finanzpakt

    Der neue Finanzpakt steht: Nach zähen Verhandlungen konnten sich die Länder in den Kernpunkten durchsetzen. Ohne Kompromisse ging es aber nicht: Bei den Ausgleichzahlungen etwa wird es eine deutliche Begrenzung in der Dynamisierung geben.

  • Erde

    Studie: Mehr Geld für konventionelle Energien als für Ökostrom

    Einer Kurzanalyse zufolge werden konventionelle Energien im kommenden Jahr deutlich stärker gefördert als erneuerbare Energieträger. Demnach läge eine Umlage für Atom- und Kohlestrom deutlich über der EEG-Umlage.

  • Strompreise

    Ausschreitungen vor Atommüll-Endlager in Morsleben

    Bei Protesten von Atomkraftgegnern vor dem Atommüll-Endlager in Morsleben ist es am Donnerstag zu Ausschreitungen gekommen. Nach Polizeiangaben hatten mehrere Dutzend Demonstranten versucht, zwei Tore zum Gelände des Lagers gewaltsam zu öffnen. Die Polizei ging mit Pfefferspray und Hunden gegen die Demonstranten vor.

  • Strompreise

    Berliner Senat gegen polnische Atomkraftwerke

    Der Berliner Senat hat sich gegen Pläne der polnischen Regierung ausgesprochen, in Polen bis zu drei neue Atomkraftwerke zu bauen. Das erste soll 2020 in Betrieb gehen. Kürzlich hatten hochrangige Politiker des Nachbarlandes entsprechende Pläne Polens bekräftigt.

  • Energieversorung

    Zeitplan für Schließung des Atommülllagers Asse vorgelegt

    Bundesumweltminister Gabriel und das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) haben offiziell einen Plan zur Schließung des maroden Atomlagers Asse vorgelegt. Gabriel warf CDU und Atomwirtschaft dabei am Donnerstag vor, "immer die billigste Lösung gewollt und damit eine sichere Endlagerung vor die Wand gefahren" zu haben.

Top