1. VIK-Preisvergleich Stromnetze: Netznutzungsentgelte vielfach überhöht

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com
Mit dem nun vorliegenden ersten VIK- Preisvergleich der Nutzung von Stromnetzen beginnt VIK eine regelmäßige Gegenüberstellung der veröffentlichten Stromnetzpreise in Deutschland. Das aktuelle Untersuchungsergebnis bestätige dabei die Notwendigkeit einer solchen Gegenüberstellung mehr als deutlich und unterstützt das zwischen den Parteien vereinbarte preissenkende Vergleichsmarktkonzept. Wie dieser erste VIK-Vergleich für die Netzzugangspreise zeigt, liegen zwei Drittel der Preisangebote der Netzbetreiber über den Richtpreisen der Verbändevereinbarung Strom II, obwohl diese nach Auffassung des VIK und der Kartellbehörden als Preisobergrenze zu verstehen seien, so der VIK-Vorsitzende Horst R. Wolf, in einer ersten Bewertung. Und deshalb käme auch der Stromhandel bisher noch nicht in Schwung. Das müsse auf jeden Fall anders werden.


Die Untersuchung umfasst die traditionell vom VIK-Strompreisvergleich berücksichtigten Unternehmen und damit etwa 70 Prozent der gesamten Stromübertragung und -verteilung. Das Ergebnis der bundesweiten Analyse zeigt einen durchschnittlichen Netznutzungspreis2 für Mittelspannungskunden von 4,60 Pf/kWh. Dabei offenbaren sich jedoch erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Netzbetreibern. So liegt der Preis für die Netznutzung beim günstigsten Netzbetreiber (RWE Energie AG, Essen) bei durchschnittlich 3,13 Pf/kWh, während der teuerste Netzbetreiber (e.dis Energie Nord, Fürstenwalde) 7,10 Pf/kWh verlangt. Die Differenz beträgt somit 3,97 Pf/kWh oder 127 Prozent. Im übrigen liegen nach dem VIK-Vergleich alle ostdeutschen Netzbetreiber über den Richtpreisen der VV Strom II. Allein unter den teuersten acht Unternehmen befinden sich sieben aus den neuen Bundesländern.


In Fällen mit niedrigen Nutzungsdauern von 2500 Stunden pro Jahr vergrößern sich die Unterschiede weiter. Hier beträgt die Differenz zwischen dem günstigsten und dem teuersten Netzbetreiber 6,19 Pf/kWh (137 Prozent). Bei einer höheren Nutzungsdauer von z.B. 6000 h/a verringert sich diese Differenz auf einen Preisunterschied zwischen dem günstigsten (RWE) und dem teuersten (Avacon) Netzbetreiber von 2,87 Pf/kWh oder 123 Prozent.


Solche erheblichen Abweichungen gäben nach Ansicht des VIK Anlass zu der Befürchtung, dass die Preisangebote für die Netznutzung noch nicht auf einer einheitlichen Kalkulationsgrundlage beruhen, und dass deshalb in vielen Fällen auch netzfremde Kostenbestandteile in die Kalkulation eingeflossen sind. Hier müssen sich die Netzbetreiber in Sachen Marktwirtschaft noch erheblich steigern, wenn sie einen staatlich verordneten Kostenerfassungsbogen vermeiden wollen, so der VIK-Vorsitzende weiter. Laut dem VIK-Preisvergleich Stromnetze haben sich damit die erheblichen Kosteneinsparungen der letzten Jahre - insbesondere beim Netzbetrieb - bisher noch nicht in den Netznutzungspreisen niedergeschlagen. Aufgrund dieser Effizienzverbesserungen sollten die Netzpreise eigentlich schon heute um rund 20 Prozent niedriger liegen. Die aus einer solchen Gegenüberstellung abzuleitenden Hinweise auf die Rationalität der Betriebsführung bzw. die Angemessenheit der festgelegten Preise hätten bereits bei den Strompreisen zu erheblichen Absenkungen geführt. Entsprechendes erwarte VIK nach nunmehr erfolgter Entbündelung des Netzbetriebs von der Stromerzeugung und dem Stromhandel auch bei den Netznutzungsentgelten. Diese seien heute wegen ihrer Höhe eher wettbewerbshemmend als wettbewerbsfördernd. Hier müsse sich nach Auffassung des VIK schnell etwas ändern, wenn der Politik in Deutschland und der EU bewiesen werden solle, dass der verhandelte Netzzugang besser und schneller zum Ziel führe als ein staatlich regulierter Markt.

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